Auf den Hund gekommen


Auf den Hund gekommen bin ich schon sehr früh. Wurde ich doch durch die zwei Hunde meiner Großeltern, den American Pitbull Pete the Pit von „Die kleinen Strolche“, Lassie, Boomer und Timmi von „Fünf Freunde“ in meiner Kindheit maßgeblich geprägt.

 

Als im Sommer 1999 die private und berufliche Situation es erlaubte entschloss ich mich dann endgültig, mir einen eigenen Hund anzuschaffen. Bis hierhin war mir nicht klar, wie sehr diese Entscheidung mein Leben grundlegend verändern würde. Immerhin war ich bis dahin unter anderem leidenschaftlicher Motorradfahrer und verbrachte viel Zeit und so manchen Urlaub auf dem Zweirad. Aber mit Hund?

 

Als die Entscheidung „ein Hund soll her“ erst einmal stand, überlegte ich hin und her, welche Rasse es denn werden sollte, wälzte Fachbücher, forschte im Internet und tat all die Dinge, die ein werdender Hundebesitzer so tut, um den „richtigen“ Hund für sich zu finden. Letztendlich entschied ich mich dann für die Rasse des Labradors.

 

Mika
Mika

Gesagt getan machte ich mich auf die Suche nach einem Welpen und landete schließlich bei einer Familienzucht zwischen Lübeck und Eutin. Dort traf ich Mika, meinen ersten eigenen Hund, zum ersten Mal. Von den Kindern der Züchterfamilie wurde er zu diesem Zeitpunkt noch „Goliath“ genannt und war mit Abstand der größte der 5 Welpen. Er war ein kräftiger Welpe und erinnerte immer ein bisschen an Obelix, der als kleiner Junge in den Zaubertrank gefallen war. Bereits in jungem Alter war er eher ruhig, entspannt und ausgeglichen und hatte vorrangig zwei Dinge im Kopf: sein Futter und die Welt erkunden – und dieses auch in genau dieser Reihenfolge! Goliath alias Mika kam zu mir, legte sich zwischen meine Füße und entschied, dass er dann mal ab sofort zu mir gehören würde. Und so kam es dann auch. Er wurde mein Hund oder auch ich sein Herrchen, wie man’s so sieht. Eine Beziehung fürs Leben. Er wuchs heran und wir zusammen. Irgendwann stand für mich fest, dieser Hund braucht eine sinnvolle und erfüllende Beschäftigung. Hundeplatz und Unterordnung fanden wir beide nicht ganz so toll. Es fehlte irgendetwas, wie "die Welt erkunden" oder "durch die Wälder streifen". Wir suchten für uns beide nach einem neuen, gemeinsamen Hobby. So kamen wir vor ungefähr 20 Jahren zur Rettungshundearbeit. Motorrad futsch und aus der Limousine wurde ein Kombi. Was macht man nicht alles für die große Liebe! Wir ließen uns in den Bereichen Fläche und dann auch Trümmer ausbilden, absolvierten viele Lehrgänge und unsere Prüfungen. Wir machten unseren Weg! Mit großem Engagement und Herzblut gingen wir in die Einsätze. Wir beide hatten unsere erfüllende Aufgabe gefunden, die uns im Laufe der Jahre zu einem gut funktionierenden und vertrauensvollen Team zusammenwachsen ließ.

 

Mika
Mika
Mika
Mika

 

Als Mika in die Jahre kam, fing ich an, mich mit dem Gedanken auseinander zu setzen, mir für die Trümmerarbeit einen weiteren Hund anzuschaffen. Er sollte nicht ganz so groß werden und möglichst beweglich in den Trümmern agieren können. Dazu sollte er mutig sein und den „Willen zum Finden“ schon möglichst mitbringen. Ein Hund, der gewillt ist, in die schmalen Öffnungen eines Trümmerkegels zu kriechen und Spaß daran findet, sich dabei auch mal richtig einzusauen. Und so fiel eine weitere folgenreiche Entscheidung…

 

Wieder machte ich mich auf die Suche nach einem Welpen und fand viel schneller als geplant eine Anzeige, in der jemand dringend Abnehmer für einen Wurf suchte. Ich besuchte kurzerhand den Bauernhof und wurde in den Pferdestall geführt. In einer der Boxen lagen 5 kleine Welpen im Stroh.

So kam 2008 „Bolle“ ins Spiel. Ein Deutscher Jagdterrier – ein kleiner Rotzlöffel. Und dieser kleine Deutsche Jagdterrier entpuppte sich schon bald als ein ganz anderes Kaliber, als mein großer, gutmütiger Labrador. Aber diese Herausforderung kam ja nicht wirklich überraschend. Hatte meine Tante doch über 12 Jahre eine Jagdterrier-Hündin auf ihrem Hof.

 

Mika
Mika
Mika
Mika

 

2009 erkrankte Mika an der linken Vorderpfote. Die leichte „Schwellung“ wurde zur Beule, die die Bewegung mehr und mehr einschränkte. Aus der Ungewissheit dann irgendwann Gewissheit: Die Beule war ein Tumor.

 

Zeitgleich mit der Diagnose kam die Alarmierung für den Auslandseinsatz auf Haiti, den wir dann natürlich nicht antreten konnten. Nach überstandener OP, bei der die Pfote erhalten werden konnte sowie anschließender Bestrahlung kam auch die Gewissheit, dass Training und Einsätze im Bereich Trümmer und auch Fläche nicht mehr in Frage kamen. So traf ich den Entschluss, mich gemeinsam mit Mika auf die Wassersuche / -ortung zu konzentrieren. Hierbei werden vermisste Menschen vom Boot aus, unter Zuhilfenahme eines entsprechend qualifizierten Hundes, gesucht. Bei dieser Aufgabe profitierten wir beide von unseren langjährigen Erfahrungen im Bereich Fläche und Trümmer. Dieser neuen Aufgabe, der er mit großer Motivation und Freude nachging, stellte für Mika eine gute Möglichkeit dar, auch in seinem hohen Alter die Leistungsfähigkeit seiner Nase unter Beweis zu stellen. Mein Mika verstarb im September 2013 im Alter von 14 Jahren. Mit seiner Hilfe konnte noch im Sommer `13 ein ertrunkener Badegast im Schierensee aufgefunden werden.

 

2012 kam dann noch „Petit Snoopie“ – ein Mix aus Jack-Russell und Chihuahua – mit ca. 1,5 Jahren aus der Nachbarschaft zu mir. Die Besitzer suchten dringend ein neues Zuhause für die kleine Prinzessin. Und da sich alle schon kannten und verstanden, wurde die Kleine – die mit ihrer Größe eher an ein Eichhörnchen und mit ihrem Fell an ein Meerschweinchen erinnert – kurzerhand im Patchwork-Rudel aufgenommen. Eigentlich als Familienhund und Spielkameradin für Bolle gedacht und anfangs etwas unsicher, hat sie sich mittlerweile gut eingelebt und entwickelt – sie hat Bolle regelmäßig den Kopf gewaschen und hat den Eignungstest für den Besuchshundedienst abgelegt. 

 

Sollte Bolle eigentlich in erster Linie die Arbeit im Bereich der Trümmersuche, die Mika nicht mehr machen konnte, übernehmen, entschloss ich mich vor ein paar Jahren, Bolle zusätzlich mit dem Mantrailing zu beschäftigen. Zu der Zeit war keineswegs angedacht, mit Bolle im Bereich MT eine Prüfung abzulegen, geschweige denn die Einsatzfähigkeit zu erlangen. Was als „Freizeitbeschäftigung“ für Bolle gedacht war, entwickelte dann aber seine ganz eigene Dynamik. Denn das Freizeitprojekt lief bedeutend besser als erwartet.

Bolle als geprüfter Rettungshund "MT" auf einem Trail
Bolle als geprüfter Rettungshund "MT" auf einem Trail
Bolle als geprüfter Rettungshund "Trümmer" (Gem. PPO) beim Verweisen der eingebrachten  Versteckperson
Bolle als geprüfter Rettungshund "Trümmer" (Gem. PPO) beim Verweisen der eingebrachten Versteckperson

 

Als Staffel-, Einsatz- und Ausbildungsleiter einer Rettungshundestaffel setze ich mich nunmehr seit vielen Jahren sehr intensiv mit den verschiedenen Suchsparten des Rettungshundewesens auseinander. So auch mit dem Mantrailing. Erste MT-Trainingseinheiten habe ich bereits 2003 begleitet und seitdem auch so manche Fortbildung besucht. Hilfreich waren sicherlich auch die Erfahrungen, die ich in den vergangenen Jahren in anderen Bereichen des Rettungshundewesens erworben hatte. Ohne Leistungsdruck am „Freizeit-Trailen“ hatten Bolle und ich zusammen viel Spaß. Die ersten kleinen Erfolge kamen fast von  alleine. Wir haben regelmäßig trainiert, uns mit anderen Mantrailern ausgetauscht und so unsere ganz eigenen Erfahrungen gesammelt. Bolle gefiel diese für ihn neue Arbeit zusehens mehr, so dass wir wider Erwarten relativ zügig die Vorprüfung bestanden und uns für die Hauptprüfung empfahlen. Im September 2012 konnten Bolle und ich die MT-Hauptprüfung in Hamburg-Bergedorf erfolgreich ablegen und bilden derzeit eins der wenigen geprüften Teams nach Prüfungsordnung einer der Rettungs- und Hilfsorganisationen in Schleswig-Holstein und haben als solches auch schon so einige Meter in entsprechenden Einsätzen hinter uns gelassen.

  

Die Beziehung zwischen Bolle und mir hatte sich durch die gemeinsame Arbeit sehr positiv entwickelt. Aus dem anfangs oft unausgeglichenen, teils unterforderten Rotzlöffel war Dank der regelmäßigen und fordernden Trainingseinheiten und Einsätze ein überwiegend ausgeglichener und manchmal sogar müder Jagdterrier geworden, der sich immer wieder aufs Neue auf das sich abzeichnende Training oder den anstehenden Einsatz gefreut hat. Liegt ihm und seinen Vorfahren das Aufspüren, Verfolgen und Stellen, wie auch vielen anderen Hunderassen, doch seit Jahrhunderten im Blut. Bolle verstarb viel zu früh im Oktober 2018 durch einen tragischen Unfall.

 

Amélie – kleine Hündin mit großer Zukunft

Amélie
Amélie

Seit November 2014 gehört die kleine Black and Tan Coonhound Hündin Amélie zur Familie und soll als Rettungshund in die Fußstapfen von Mika und Bolle treten. Nachdem ich in den letzten Jahren nicht nur meinen Bolle, sondern auch eine Reihe weiterer verschiedener Hundeführer und ihre Hunde erfolgreich in die Mantrailing-Prüfung und die Einsatzbereitschaft geführt habe, sollte mir dieses auch bei Amélie gelingen. Amélie wird von mir neben dem Mantrailing auch jagdlich ausgebildet und hat im Mai 2019 ihren ersten Nachwuchs in meiner VDH/FCI Zuchtstätte „Twilight Tracker“ zur Welt gebracht.

 

Lou-Ann – die süße Amerikanerin

Lou-Ann
Lou-Ann

Im April 2019 zog die Black and Tan Coonhound Hündin Lou-Ann ein. Sie soll in erster Linie mit ihren hervorragenden Ahnen meine Zucht bereichern. Auch sie wird von mir jagdlich ausgebildet und zeigt sich hier sehr begabt.

Agent Gibbs – der Spurensucher

Agent Gibbs
Agent Gibbs

Gibbs stammt aus meinem ersten Wurf mit Amélie. Schon früh hatte er deutlich gemacht, dass er bei mir bleiben möchte. Er weicht mir kaum von der Seite und wird derzeit jagdlich ausgebildet. Er zeigt sich stets motiviert und das Training fördert seine ausgeprägte Veranlagung für die jagdliche Arbeit. 

Im Laufe der Jahre habe ich viele Hundeführer mit ihren Hunden in unterschiedlichen Bereichen der Rettungshundearbeit ausgebildet und/oder gecoacht. Es bereitet mir große Freude, Menschen und Hunde zu begleiten und meine Erfahrungen weiterzugeben und mitzuerleben, wie sich die unterschiedlichsten Teams positiv entwickeln. Im Bereich des Mantrailings gebe ich dieses Wissen auch gerne an Hundeführer aus dem „Freizeit- und Beschäftigungsbereich“ weiter. Und wer weiß, vielleicht findet so ja doch das ein oder andere Team den Weg in die Rettungshundearbeit und in Realeinsätze, um möglichst mit dem eigenen Hund vermisste Menschen aufzuspüren und zu retten.

 

Auf eine Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihrem Hund würde ich mich sehr freuen.

 

Ihr Dirk Fellechner